Kinder

Wenn Baby allein atmen muss

Das Wunder der Geburt ist schon unfassbar. Aber oft ist gar nicht bekannt, was der Körper der Kinder von selbst unternimmt, dass der erste Atemzug einer von vielen Millionen in ihrem Leben sein wird.

Innerhalb nur weniger Minuten nach der Geburt ist ein Baby mit der Atmung nicht mehr abhängig von seiner Mutter, sondern kann selbst Luft in seine Lungen ziehen und den Sauerstoffaustausch mit seinen eigenen Lungen gewährleisten. Noch vor wenigen Augenblicken war die Nabelschur die wichtigste Verbindung für das Kind und nun ist es auf die erste Art und Weise selbständig.

Der fetale Kreislauf vor der Geburtsanstrengung

Vor der Geburt sind Lunge und Leber des Babys nur schmückendes Beiwerk. Fest verbunden mit der Mutter durch Nabelschnur und Mutterkuchen ist es ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Durch ein kleines Loch in der Herzscheidewand zirkuliert das Blut unter Umgehung des Lungenkreislaufs zurück zur Aorta und in die Nabelvene der Nabelschnur.

Nur etwa 10% des kompletten Blutvolumens, dass du durch das Baby fließt, kann schon einmal die Lungenpassage durchlaufen.

Die Geburt – die Umstellung auf den kindlichen Kreislauf

Mit der Geburt hält das Kind über mehrere Minuten zwei Kreisläufe aufrecht. Der Lungenkreislauf beginnt zu beleben und auch der Körperkreislauf nimmt Fahrt auf. Mit der Abnabelung von der Mutter muss das Baby nun vollständig allein atmen und der Körper muss eigenständig den Sauerstoffaustausch gewährleisten.

Hierdurch kommt es zu einer schnellen Steigerung des Blutdrucks, der bewirkt, dass sich die Lunge entfaltet und das Herz stärker schlägt. Da in der Herzscheidewand noch ein kleines Loch (Foramen ovale) ist, entsteht ein leichter Unterdruck, der das Blut noch hindurchfließen lässt. Durch diesen erhöhten Durchfluss schließt sich das Loch dauerhaft.

An der Stelle an der bis jetzt die Aorta noch eine Öffnung hatte, um das Blut aufnehmen zu können, tut sich zunächst nichts. Aber in den kommenden Tagen nach der Geburt verschließt sich dieser Gang mit einigen starken Muskelkontraktionen von selbst.

Innerhalb weniger Monate ist der Durchgang komplett verwachsen und kann auch keine Gefahr mehr darstellen. Sollte sich diese Öffnung nicht verschließen, dann leidet das Baby unter einem Herzfehler.

Innerhalb der Umgehung der Leber schließt sich nun eine letzte Öffnung, die verhindert hatte, dass der Leberkreislauf aufgenommen werden kann, da dies im Bauch der Mutter nicht notwendig war. Schon drei Stunden nach der Geburt kontrahieren die Muskeln und die Öffnung und verschließen die untere Hohlvene, dass auch der Blutfluss durch die Vene gewährleistet ist. Auf diese Art und Weise können nun gefilterte Nährstoffe aus der Nahrung über die Pfortader der Leber aufgenommen und verwertet werden.
Nach neun Monaten der Abhängigkeit zur Mutter ist es dem kleinen Organismus möglich, dass er innerhalb weniger Stunden selbständig atmen und Nährstoffe aufnehmen kann. Der Organismus funktioniert ohne fremde Hilfe.

 

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